Durch dieses Training habe ich zu meiner Stute einen noch engeren Draht bekommen. Sie hat deutlich an Schreckhaftigkeit verloren und wenn sie heute einmal vor etwas Angst hat, weiss ich wie ich es ihr erklären kann. Sie ist kooperativer geworden, so dass sie mir die Führung viel lieber überlässt. So waren wir erst kürzlich im See Schwimmen, was für sie eine ausserordentliche Herausforderung war.
Die akademische Reitkunst nach Bent Branderup hat mich mit den wissenschaft-lichen Fakten sehr fasziniert. Alles bisher gelernte habe ich schon tief verinnerlicht und ich möchte mich kontinuierlich in diese Richtung weiterentwickeln und auf diese Weise auch unterrichten. Für den Reiter ist es wichtig, die korrekte Biomechanik des Pferdes zu verstehen, denn nur so kann man das Pferd gesund reiten. Durch die Bodenarbeit hat Relax eine sehr schöne, kräftige Oberlinie bekommen, eine tragende Unterlinie und ein ruhiges geerdetes Wesen.
Eines meiner Grundprinzipien lautet, dass man nie ausgelernt hat. Ich möchte auch keine anderen Pferdetrainer oder Reitarten schlecht machen. Vielmehr sehe ich den Austausch mit Gleichgesinnten und das Miteinander als einen Mehrwert und nicht als ein Konkurrenzdenken. Mir ist es ein grosses Anliegen, mich weiterzubilden, Meinungen von Experten zu holen, die unterschiedlichen Lehren aber auch kritisch zu hinterfragen. Wichtig dabei bleibt, dass die Pferde Freude haben und nicht von meinem Ehrgeiz überfordert werden.
Bereits früh fühlte ich mich zu Pferden wie magisch hingezogen. Meine ersten Ponyreiterlebnisse hatte ich im Kindergartenalter mit meinem Vater, der mich auf einem Shetlandpony führte, mit dem ich über Bäche sprang und über Felder trabte. Mit 10 Jahren konnte ich in den langersehnten Reitunterricht. Angst kannte ich nicht und so machte ich immer alles mit, dabei konnte ich das Pferd noch gar nicht lenken. Um eine bessere Balance zu bekommen, ritten wir oft ohne Sattel, wobei es nicht selten vorkam, dass ich auf dem Boden landete. Das war mir herzlich egal. Die Freude war einfach riesig endlich auf dem Pferderücken sitzen zu dürfen.
Mit 13 Jahren bekam ich meine erste Reitbeteiligung. Eine wunderschöne, stark unterforderte Stute. Dementsprechend waren auch ihre Launen. Miesepetrig legte sie anfangs immer die Ohren an und versuchte mich zu beissen. Mit dem regelmässigen Pflegen und Ausreiten wurden wir ein gutes Team und ihre Macken hörten auf. Darauf folgten eine ältere, sehr gemütliche Freibergerstute und der Freibergerwallach Arno, der verkehrs scheu und energiegeladen war. Ich hatte bis da nie Unterricht wie man ein Pferd trainiert, doch irgendwie war mir der «Pferde Sinn» angeboren. Wenn Arno, wieder einmal von einem Traktor scheute und einen Satz zur Seite machte, blieb ich immer sehr entspannt, wodurch er mit der Zeit seine Angst von den lauten Ungeheuern verlor.
Als Teenager absolvierte ich das Reitbrevet, wo ich das erste Mal soliden Reitunterricht bekam und das englische Reiten kennen lernte. Zwischendurch arbeitete ich auf einem Pferdehof mit Arabern, wobei ich sehr viel über das Ausbilden und Einreiten von Jungpferde lernte. Das Wichtigste was mich prägte, war: Alles zu hinterfragen und nicht dem einfachen«Standardweg» folgen, sondern die eigene Methode fokussiert auf das Wohl des Pferdes finden.
Ein weiterer Glücksgriff war für mich, dass ich dort mein erstes eigenes Pferd kaufen konnte. Mein grosser Traum ein Araberfohlen selbst auszubilden, ging in Erfüllung. Relax lehrte mich in den Jahren unendlich viel, wofür ich so dankbar bin.
Als angestellte Fotofachfrau bin ich eines Tages über meinen Schatten gesprungen und habe mir zum Ziel gesetzt, meine grosse Leidenschaft zum Beruf zu machen. Mein Ziel war es, mich als Reitlehrerin / Pferdetrainerin selbständig zu machen. Als ersten Schritt absolvierte ich ein 3-monatiges Praktikum bei Farmersplace im Kanton Aargau. Ich lernte Berni Zambail, 6 Stern Parelli Master Instructor kennen und war begeistert, wie er mit Pferden kommunizierte.
Seine Arbeit hat mich zutiefst beeindruckt, ich war bis zu Tränen gerührt wie magisch seine Verbindung zu den Pferden war. Sein Lehren habe ich tief im Innern verankert. Von grossem Schatz, war für mich das Verständnis wie Pferde denken und wie sie verstehen, dass ich beim Anhänger Training mit meiner Stute Relax verinnerlichen konnte. Da Relax auf einmal nicht mehr in den Anhänger steigen wollte und ich mit meinem Latein am Ende war, fragte ich Berni um Rat.
Die «seven games» die Grundlage des Horsemanship, die wir bis Anhin geübt hatten, ergaben auf einmal Sinn. Für Berni ist es wichtig, das Pferd nicht emotional über eine Klippe zu werfen, wie er gern sagte. Sondern sich die nötige Zeit zu nehmen und mit Annäherung und Rückzug dem Pferd verständlich zu machen, dass es vor dem Anhänger keine Angst haben muss. So konnte er Relax zum Beispiel komplett die Angst vor dem Anhänger nehmen, sodass ich sie seither alleine und stressfrei verladen kann.
Ich interessiere mich sehr für die akademische Reitkunst welche für Harmonie und Leichtigkeit bekannt ist und dafür, das Pferd durch Gymnastizieren gesund zu erhalten. Bei Stephanie Roth konnte ich während einem Jahr eine Ausbildung auf der Sunhill Ranch absolvieren. Dort lernte ich sehr viel über die akademische Reitkunst, Pferdehaltung und Pädagogik. Ich hatte regelmässigen Unterricht, konnte an Trainingstagen und Intensivwochen teilnehmen und arbeitete den ganzen Tag mit Pferden auf dem Hof.
Pferde sind für mich majestätische und bezaubernde Wesen. Sie kommunizieren durch kleinste Signale und Intuitionen und sind Meister darin uns Menschen schnell zu lesen. Wenn wir mit Pferden arbeiten, liegt es an uns Menschen die Kommunikation der Pferde zulernen. In der Bodenarbeit geht es nämlich nicht darum, dass wir Menschen dem Pferd etwas beibringen, sondern primär dass wir uns dem Pferd verständlich machen und dass das Pferd uns vertrauen lernt.
Pferdeausbildung beginnt beim Menschen. Wir Menschen sind geprägt von Erfolg und Erwartungen, was oft zu Missverständ-nissen und Frust in unserer Beziehung zum Pferd führt.
Das Wichtigste ist für mich in der Pferde-ausbildung Geduld, Respekt und Freude.
Mit dieser Denkweise bekommt das Pferd einen Sinn und Freude an unserem da sein.
Geduld: Uns Menschen kann es nicht schnell genug gehen und wir möchten am liebsten immer bereits das Endprodukt haben. Dabei geht es in der Pferde-ausbildung um den Prozess. Wenn wir nicht im Hier und Jetzt sind, überfordern wir das Pferd emotional. Der Mensch muss emotional fit werden, d.h. sich in Geduld üben, Fehler eingestehen, die Reaktion des Pferdes nicht persönlich nehmen und achtsam gegenüber dem Pferd sein. Das Pferd reagiert immer so wie es für das Pferd in diesem Moment am Meisten Sinn ergibt. Es ist wichtig, dass man kleine Schritte feiern lernt und sich nicht auf das Endprodukt fokussiert.
Respekt: Auf Augenhöhe dem Pferd begegnen. Das Pferd soll unser Freund werden, soll uns freiwillig aus Überzeugung folgen möchten und nicht als Sklave der unter psychischem Druck gefügig gemacht wurde.
Freude: Sich bewusst sein, wieso man eigentlich so viel Geld und Zeit in dieses Hobby steckt. Ich glaube fest daran, dass wenn ich authentisch Freude zeige, sich das Pferd anstecken lässt und gerne mit mir Zeit verbringt. Freude wird zur Motivation und führt zu einer harmonischen Beziehung.
Nebst einer harmonischen Partnerschaft lege ich Wert darauf das Pferd gesund zu erhalten durch regelmässiges Gymnas-tizieren. Nur durch das Verstehen der Anatomie des Pferdes kann man sein Pferd gesundheitlich gut erhalten und so auch reiten.
Ganzheitliche Beurteilung: Wie passt der Sattel oder sonstiges Material. Mangelt es dem Pferd an irgendwelchen Nährstoffen, Mineralien oder sonstigen Vitalstoffen? Stimmen die Zähne? Muss der Osteopath das Pferd behandeln? Was sagen die Hufe über den Bewegungsapparat des Pferdes aus?
Bent Branderup der Gründer der akademischen Reitkunst studierte jahrelang das vergessen gegangene Werk der alten Reitmeister. Die alten Reitmeister strebten stets nach einem stolzen Pferd, mit einem willigen Geist, welches dem Reiter genügen möchte. Durch eine solide Ausbildung wurde die Tragkraft gestärkt, um den Reiter überall hinzutragen und in engen Wendungen schnell und geschmeidig zu sein. Das war besonders während der Ritterzeit oder anderen Kriegen lebenswichtig. Mit der akademischen Ausbildungsleiter möchte Bent Branderup sein Wissen jedem zugänglich machen. Nicht jeder kann es ganz nach oben der Ausbildungsleiter schaffen, denn dazu braucht es: erstens Eigendisziplin an sich zu arbeiten und zweitens eine gute Veranlagung des Pferdes. Die akademische Reitkunst ist für jede Pferderasse geeignet, man lernt das Pferd zu gymnastizieren, die korrekte Brustkorbrotation zu erkennen, Schwung inTragkraft zu verwandeln und die Grundgangarten zu schulen. Das Pferd soll zuerst mental, wie auch physisch, Losgelassenheit erlangen, denn nur ein losgelassenes Pferd kann sich durchlässig versammeln. Als Grundsatz gilt, wir arbeiten nicht gegen die Natur, die Lektionen, die wir vom Pferd fordern, würde das Pferd in der Natur freiwillig auch machen. Das Pferd wird mit korrekt gerittenen Seitengängen gerade gerichtet und soll immer zum Schwerpunkt auffussen.
« Man vergesse nie, dass die Dressur eine ge-regelte Gymnastik,
aber keine Zwangs-methode sein soll und dass der Körper des Pferdes in die gewünschte Form nicht auf einmal hin-eingepresst, sondern allmählich befähigt werden soll, diese zwanglos anzunehmen. » - Gustav Steinbrecht
« Falsch verstandene Seitengänge schaden mehr als sie nutzen.» - Bent Branderup